Warum wir alle mehr über unser Denken lernen sollten

Ich denke, also bin ich.
— René Descartes.

Der gleiche Morgen ist nie derselbe Morgen

Jeder kennt es: “Beep, beep. Beep, beep.” Dieses Geräusch. Ach ja, der Wecker klingelt. Man öffnet die Augen und nimmt zum ersten Mal am Tag die Welt um sich herum wahr. Das Licht ist hell, man blinzelt und kneift die Augen zusammen. Die nackten Füße auf dem Boden lassen einen erschaudern, doch der Geruch von Kaffee oder dem Frühstück am Morgen gibt einem ein wohliges Gefühl.

Dieses Szenario dürfte den allermeisten bekannt vorkommen. Wie wir es erleben, ist aber stark unterschiedlich, abhängig von der Uhrzeit, Jahreszeit, Temperatur, dem Stresslevel, wie wir geschlafen haben, ob es sich um einen Montag- oder einen Sonntagmorgen handelt und ob es danach zur Arbeit oder in den Urlaub geht. Der Ablauf mag gleich sein, die Interpretation all der Reize durch unser Gehirn und damit unsere empfundene Realität variiert jedoch stark. Das Bemerkenswerte ist dabei nicht die Arbeit, die im Hintergrund stattfindet, sondern dass wir diese so selten bemerken. Wahrnehmung ist subjektiv, das ist den meisten klar - warum das so ist und was das bedeutet nicht.


Warum wir über unser Denken nachdenken sollten

Unser Gehirn ist unglaublich. Alles, was wir fühlen, denken und tun, nimmt seinen Ursprung hier. Es schenkt uns unser intuitives Bauchgefühl und vermag hochkomplexe mathematische Probleme zu lösen. Es navigiert uns durch unser Leben und lässt uns dieses durch unsere ganz eigene Perspektive erfahren. Und doch machen wir uns in unserem Alltag häufig wenig Gedanken darüber, wie unser Denken funktioniert oder wie es uns beeinflusst.

Wir gehen davon aus, dass wir alle bereits klar denken können, schließlich tun wir das jeden Tag. Aber das würde auch bedeuten, dass wir einen Marathon laufen können, nur weil wir allmorgendlich zum Kühlschrank gehen. Beides ist aber leider nicht der Fall.

Dabei bildet unser Denken den Ursprung für unser ganzes Leben. Es entscheidet nicht nur darüber, wie wir die Welt wahrnehmen, sondern auch, welche Bedeutung wir dem Wahrgenommenen geben. Es bestimmt maßgeblich, wie wir uns selbst sehen, wie wir andere Menschen einschätzen, wie wir kommunizieren, Beziehungen führen, lernen, lieben und leben. Es prägt unsere Entscheidungen, unseren Umgang mit Unsicherheit, unsere Ziele und letztlich die Geschichten, nach denen wir uns ausrichten.

Und dennoch lernen wir erstaunlich wenig darüber, wie unser Kopf funktioniert. In der Schule, der Ausbildung oder im Studium fokussieren wir uns zumeist auf Inhalte, fachlich aufeinander aufbauend und abgegrenzt. Wenn wir Glück haben, lernen wir ein paar Lernstrategien, wie Karteikarten, Wiederholungsstrategien oder das Schreiben von Zusammenfassungen.

Aber wir lernen selten, wie Wahrnehmung verzerrt wird und wie unsere Überzeugungen entstehen, wie Stress und Druck unser Urteilsvermögen verändern, welche Abkürzungen wir bei Entscheidungen nehmen oder wie wir uns selbst reflektieren können.

Genau deshalb schreibe ich hier.


Wer ich bin

Ich bin Luc, genauer gesagt Dr. Luc Albrecht. Ich bin ursprünglich Naturwissenschaftler (Biologie und Chemie), habe im Studium Vertiefungen in Neuropsychologie und Neurowissenschaft des Lernens hinzugezogen und später mit kognitionswissenschaftlichem Fokus auf Kritisches Denken und Entscheidungsprozesse promoviert. Dass mich dieses Thema nicht nur akademisch interessiert, hat auch biografische Gründe. Während meiner eigenen Krebserkrankung wurde mir sehr deutlich, wie verletzlich unser Denken unter Angst, Druck und Unsicherheit werden kann. Selbst mit naturwissenschaftlichem Hintergrund ist man in solchen Momenten nicht einfach rational, souverän und unbeeinflussbar.

Seitdem beschäftigt mich eine Frage besonders: Wie können wir unser Denken besser verstehen, ohne uns einzubilden, vollständig über ihm zu stehen?

Genau darum geht es in diesem Newsletter.


Was dich hier erwartet

Hier werde ich wöchentlich einen Einblick in unser Denken und meine Gedanken geben. Wir werden uns anschauen, wie unser Denken funktioniert, welche Stolperfallen es bereithält und welche Abkürzungen es geht, ohne dass wir es merken. Wir nehmen in Augenschein, warum Überzeugungen oft stabiler sind als gute Argumente, was Selbstreflexion wirklich bedeutet und was es bedeutet, kritisch zu denken. Wir blicken auf Lernen, Produktivität und persönliche Entwicklung durch die Linse der Kognitionswissenschaft und gehen der Frage nach, wie wir bessere Entscheidungen im Alltag, Beruf und für unser Leben treffen können.

Nicht, weil wir dadurch perfekt rational werden, sondern weil wir freier werden, wenn wir besser verstehen, was uns innerlich lenkt.

Ab nächster Woche tauchen wir tiefer ein in die Welt unseres Denkens.

Wenn du auch dein eigenes Denken schärfen und erweitern willst, freue ich mich, wenn du mich auf diesem Weg begleitest.

Bis dahin wünsche ich dir eine gute Woche.

— Luc


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Reflexion beginnt mit Dialog.

Wenn du einen Gedanken oder eine Frage teilen möchtest, kontaktiere mich gerne unter contact@lucalbrecht.com

Thinking from Scratch

by Luc Albrecht

Exploring how we think, decide and create clarity

Luc Albrecht

Luc Albrecht schreibt über Denken, Entscheidungen und Selbstreflexion. Er interessiert sich für die Denkfehler, Gewissheiten und Geschichten, die unser Leben prägen und für die Fragen, die Perspektiven verschieben.

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Urteilsfehler in der Medizin