Porträt von Luc Albrecht im schwarzen Sakko vor einer Bücherwand.

Ich bin Luc Albrecht

und mich beschäftigt eine Frage schon seit über zehn Jahren.

Wie denken, urteilen und entscheiden Menschen, wenn es wirklich zählt? Und wie kann ein Urteil Bestand haben, wenn Druck, Angst und schlechte Informationen es ins Wanken bringen?

Für mich war das nie eine rein akademische Frage. Ich habe diese Antwort einmal sehr unmittelbar gebraucht.

Die Frage, mit der alles begann

Mit einundzwanzig Jahren erhielt ich eine Krebsdiagnose. In solchen Momenten ist man empfänglich für jeden Weg, der um die Angst herumführen könnte, mit der man sich konfrontiert sieht, und aus meinem Umfeld kamen genau solche Wege. Alternative Therapien, gut gemeint, aber ohne Grundlage. Mein Vater hielt dagegen, denn für ihn war Evidenz nicht verhandelbar. Er bestand auf den einzigen Weg, der wirklich trug.

Dass ich hier heute schreibe, hat damit zu tun.

Geblieben aus dieser Zeit ist eine Erkenntnis, die ich mir heute zum Beruf gemacht habe. Klares Urteilen unter Druck ist nichts Natürliches und auch Intelligenz schützt nicht davor, sich selbst zu täuschen, wenn Angst oder Druck groß genug sind. Geblieben ist ein Hang zum Innehalten, ein Gespür dafür, Momente zu schätzen, solange sie anhalten.

Wie daraus Forschung wurde

Ich komme aus den Naturwissenschaften und hätte fast den Laborweg genommen, für den ich schon einen Platz im Forschungszentrum Jülich hatte, doch meine Krankengeschichte verschloss mir diese Tür. Ich wandte mich daraufhin einer ganz anderen Frage zu. Was macht Wissenschaft eigentlich aus? In meiner Arbeit über naturwissenschaftliche Arbeits- und Denkweisen (genauer Nature of Science) wurde mir klar, wie Wissenschaft wirklich funktioniert. Sie liefert keine endgültigen Beweise, sie nähert sich in vielen Schritten an, und gerade dieser prüfende, selbstkorrigierende Prozess macht ihre Erkenntnisse verlässlich. Vorläufig bleiben sie trotzdem und der Mensch, der sie gewinnt, ist mit seinen Annahmen und Prägungen immer Teil des Ergebnisses. Dass immer auch die denkende Person eine Variable ist, wurde zum Boden für alles Weitere.

In meiner Promotion an der Universität zu Köln habe ich versucht, Kritisches Denken greifbar zu machen, sowohl seine Definition als auch seine Messbarkeit. Im Zentrum steht eine einfache Idee. Ein Mensch kann nur innerhalb der Grenzen denken, in denen er sich selbst Fragen zu stellen vermag. Worauf keine Frage fällt, danach sucht niemand und was niemand sucht, fließt in kein Urteil ein. Das Projekt war umfangreich, interdisziplinär angelegt und ich habe es von der ersten Idee bis zur Auswertung selbst getragen. Verortet war es in der Chemiedidaktik, im Kern aber kognitionswissenschaftlich, weil es nicht allein um das Fach ging, sondern um das Denken selbst.

Der bewusste Bruch

Nach der Promotion lag ein vorgezeichneter Weg bereit. Ich habe ihn nicht genommen. Im Leben lässt sich so wenig garantieren, dass ich es nicht direkt in eine Bahn lenken wollte, in der die nächsten dreißig Jahre schon feststehen. Ich wollte eigenverantwortlich arbeiten, Menschen zum Denken bringen, reisen und Neues sehen.

Der Wissenschaft bin ich dennoch verbunden geblieben. Für das International Journal of Science Education mit Sitz in Oxford begutachte ich weiterhin Studien und verfolge die aktuelle Forschung, weil mein Anspruch derselbe geblieben ist. Einen Beitrag zur Qualität des Denkens zu leisten, nicht allein zur Menge des Wissens.

Was mich sonst noch prägt

Lange bevor ich über Fokus unter Druck geforscht habe, habe ich ihn trainiert. Ich bin im Leistungssport groß geworden, zuletzt im Standardtanz bis in den Bundeskader und zu internationalen Erfolgen. Tanzsport auf diesem Niveau ist Präzision unter Beobachtung und Haltung in einem Moment, in dem alle hinsehen. Diese Haltung gebe ich bis heute als Trainer weiter.

Wenig hat mich besser darauf vorbereitet, was ich heute tue.

Kurzprofil

  • Dr. rer. nat., Universität zu Köln

  • Promotion zu Kritischem Denken und Entscheidungsverhalten

  • Ehemaliger Dozent, Universität zu Köln

  • Vertiefungen in Neuropsychologie und Neurowissenschaft des Lernens

  • Peer Reviewer, International Journal of Science Education, Oxford

  • Leistungssportler Standardtanz, ehemaliger Bundeskader

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